January 1, 2017

October 1, 2016

September 30, 2011

September 30, 2005

Please reload

Aktuelle Einträge

Seven Sprint

October 1, 2016

1/1
Please reload

Empfohlene Einträge

Liebesgrüsse aus Dùn Èideann

July 31, 2012

 

Abenteuer gefällig? Alter soll ja nicht vor Torheit schützen, obwohl es so um die Fünfzig direkt nach der Midlife Crisis zunehmend Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit geben soll. Als ich vor sechs Monaten zum Schottland Run aufgerufen hatte, meldeten sich die Enthusiasten zuerst, welche vor 17 Jahren schon mal mit mir den hohen Norden besucht hatten. Einer kam dann aber doch mit dem Flugzeug – doch davon später. Am Startpunkt dieses 12. Juli bei der Autobahnraststätte Pratteln trafen sich Olivier Dieth, Urs Roniger und meine Wenigkeit. Patrick Gerber sowie das Team Strebel/Kleiner wollten am Folgetag direkt in lJmuiden bei Amsterdam bei der Fähre sein. Während Thomas Strebel mit Roger Kleiner eine eigene Zweitagestour nach Holland wählten, schraubte unser Patrick Gerber am 13. Juli morgens nach einem Nachtessen in Milano direkt in die Niederlande. Urs Roniger war es verziehen, dass er mit einem Mazda MX-5 A eintraf. Seinen Seven hatte er schon vor langer Zeit verkauft, aber der Mann mit 1939er Jahrgang bohrte mit seinem Cabrio trotzdem wacker unseren Sevens nach.

 

Wie es denn halt so ist, meldete sich zuerst Matthew Dean von der Reise ab, weil er mit neuer Freundin lieber in den Süden tingeln wollte. Dann folgte bei den Absagern Rainer Carspecken mit Gattin, weil sein Rücken die Reise wohl nicht überlebt hätte (oder war es die Angst vor der Seekrankheit?). Matthew wurde durch René Bollhalder ersetzt; Rainer mit Läppli (Urs Roniger). Dann telefonierte am 11. Juni der Prättigauer Reto Stadler, sein Differenzial würde zu heiss; er wolle dann mit dem Flugzeug anreisen. Später auf der Reise stellte sich heraus, dass er schlicht Angst vor den vielen Kilometern hatte – er musste die Schmach mit vielen Pints (0.5 Liter Bierbecher) entschädigen. Der Ersatzmann René meldete sich dann trotzdem auch wieder ab, weil die Arbeit wichtiger war. Ihr könnt Euch somit vorstellen, dass dieses Hin und Her organisatorisch mehr Zeit beanspruchte, als das ganze Meeting.

 

Doch die Müh wird dann mehr als kompensiert, weil Schottland zum Fahren an das Engadin erinnert, nur eben 100x grösser. Die erste Etappe sollte uns von Pratteln nach Mondorf in Luxemburg führen. Das Casino – Hotel besitzt eine eigene Zockerhölle, bei welcher unser barfüssiger Läppli zuerst seine Socken anziehen musste, bevor er eingelassen wurde. Wir behielten aber unsere Kröten in den Taschen, und suchten uns zum Nachtessen lieber ein lokaler Chinese aus, welche uns flachgepresste Enten, knochige Hühner und allerlei Buntes dazu servierte. Wir gurgelten das Zeugs mit Sake, Wein oder Bier die Kehle runter. Der nächste Morgen begrüsste uns mit dem Element, welches uns bis Mitte der anschliessenden Woche noch oft begleiten sollte – es pisste!

 

Via Brüssel ging es dann flott über teilweise 10-spurige Autobahnen an den Hafen von lJmuiden (keine Ahnung wie man das ausspricht). Die DFDS Fähre war geräumig und führte über Nacht direkt nach Newcastle, also knapp an den Hadrianswall, welcher das Piktenland vom Rest der britischen Insel abtrennt. In den letzten 17 Jahren hat sich in UK einiges geändert. Ganz nach dem „Patriot Act“ von George W. Bush wird man da ja heute permanent gefilmt, geröntgt und registriert, als ob man grundsätzlich ein Terrorist oder Verbrecher wäre. George Orwell’s Roman „1984“ ist Wirklichkeit geworden. Und jetzt diskutiert die Regierung tatsächlich, ob 40 Meilen Höchstgeschwindigkeit auf den „rural roads“ eingeführt werden soll. Also knapp 65 Km/h! UK wird also nicht nur wettermässig sehr garstig. Nachdem wir am Zoll den Inhalt unserer Unterhosen gezeigt hatten, führten uns zunehmend hügelige und kurvenreiche Strassen in die Grafschaft Argyll zum Ballachulish Hotel, welches an der Mündung des Leven an einer herrlichen Meeresbucht am Atlantik liegt. Ein runder Kellner in Gummihosen und Wackelgang servierte uns den schottischen Pams mit einem Lächeln, während seine vereinzelten roten Nasenhaare dabei lustig wackelten.

 

Kühl und regnerisch begrüsste uns der anschliessende Morgen. Wir bretterten auf vereinzelt typischen single track roads via Fort William das Loch Ness hinauf, um auf der Höhe von Drumnadrochit endlich auch von der Sonne begrüsst zu werden. Helm, respektive Dach weg und weiter über die Highland Hills zum Dornoch Castle Hotel, welches für die kommenden vier Tage unser Host sein sollte. Das Personal an diesem ehemaligen Bischoffssitz bestand entweder aus inkompetenten aber dafür hübschen schottischen Studentinnen, oder aber aus den beiden Juniorchefs, welche sich als sehr belesene Whisky Kenner und –Sammler entpuppten. Der anschliessende Morgen führte uns bei trockener Strasse via Inverness nach Speyside, wo wir bei der Macallan Distillery dank der Organisation von Dettling-Marmot AG wie der Kaiser von China begrüsst wurden. Die Spezialführung durch die Brennerei endete in der Gründervilla zur ausgiebigen Degustation. Der Entscheid, diesen Tag als Beifahrer zu verbringen, war sehr weise – der „fliegende Prättigauer“ und Chauffeur der Mietlimousine offerierte mir seine Portionen. Bei der Rückfahrt checkten wir dann noch schnell bei der Glenmorangie Distillery ein, um auch dort den Finger ins Fass zu stecken. Damit die Hände nicht ins Zittern gerieten, offerierte unser Wirt am Folgetag eine durch das Hotel organisierte Bustour zur Bowmore und zur Balblair Distillery, was in Anbetracht des Wetters gar nicht schlecht war. Am Abend der vierten Nacht servierte uns das Dornoch Castle dann ein „Whisky inspired dinner“.

 

Am folgenden Tag machten wir unsere Maschinen für den Ride zu den Orkney Islands ready. Kurvige und annähernd leere Strassen führen uns 136 Kilometer in den Norden, wo uns eine Tragflächenfähre zur nördlichsten englischen Inselgruppe schipperte. Von da war es nur noch einen Katzensprung zur Highland Park Distillery. Offenbar erwartete das Management dort nicht nur den „Kaiser von China“, sondern auch gleich noch den „Schah von Persien“. Nach der ausgiebigen Tour durch die Fabrikation degustierten wir im ‚Directors Office‘ alte Trouvaillen, welche bis zu vierzig Jahre alt waren. In der Hafenkneipe nüchterten wir bei einem fettigen Essen etwas aus, bevor wir mit unseren Boliden auf der Insel die Vogelwelt etwas aufscheuchten. Einer der Söhne unseres Hotels fuhr den ganzen Tag mit uns mit, am Abend war er jedoch dermassen müde, dass die Abrechnung unserer Hotelkonsumptionen voll zu unseren Gunsten ausfiel.

 

Am Donnerstag drehte das Wetter endlich von regnerisch auf sonnig, und wir konnten die ausgiebige Bergstrecke von der Ost- zur Westküste voll ausfahren. Strassen so wie die Achterbahn, breit wie die Hinterachse, begleitet durch das Blöken der freilaufenden Schafe am Strassenrand, donnerten wir wie die kriegerischen Highlanders über die karge Landschaft und genossen den Blick auf die zerklüftete dunkelblaue Meeresküste oder die tiefschwarzen Wälder, welche sich pittoresk um die Lochs, narrow glens und rolling straths anschmiegten. Am Abend erreichten wir das Tingle Creek, unser Hotel. Die Lodge hatte einen herrlichen Blick über die Meerenge zur Isle of Skye mit seinen pyramidenförmigen Bergen, und die späte Abendsonne beflügelte unseren Geist zu neuen Schandtaten. Das servierte Haggis (eine Art Leberwurst) behagte unserem Kollegen Patrick Gerber nicht besonders, füllte er doch seine WC Schüssel die ganze Nacht mit allerlei Buntem und Flüssigem (oder lag es an seiner Fahrweise?).

 

Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht ging’s über die Skye Bridge auf diese gleichnamige Insel, um ein letztes Mal aus dem Whiskyfass zu schlürfen. Talisker zeigte sein Können. Nach dieser kurzen Stippvisite entdeckten wir die Insel clockwise, um am Abend das berühmte Eilean Donan Castle am Loch Duich zu besuchen. Nach einer kurzen Nacht, begleitet durch das penetrante Blöken der Schafe unter dem Fenster (nächstes Mal die Flinte mitnehmen!), brachen wir um 06:00 Uhr auf zur langen Fahrt über die Highlands nach Newcastle. Unterwegs wurden wir dann noch von der Polizei mit Blaulicht gestoppt, weil einige verängstigte Frühtouristen durch das Jaulen und Heulen unserer Sevens aufgeschreckt wurden, welche wir links oder rechts auf der Strasse stehen liessen. Doch die Beamten waren nachsichtig und wohl auch etwas neidisch, auf jeden Fall ermahnten sie uns, „a little bit“ auf die Limiten zu achten. Sie empfahlen uns dann noch ein gutes Breakfast Lokal, welches wir gerne ausnutzten. Oli Dieth erzählte uns dann später am Tag auf der Fahrt zur Fähre, dass er offenbar schon Post aus Edinburg (keltisch: Dùn Èideann) bekommen habe, offenbar sind die Bussen heute schneller als die Autos…

 

Die Fähre zurück nach IJmuiden schaukelte zufrieden, als wir das Buffet und den Weinkeller leerräumten. Zurück auf dem Festland begrüsste und noch mehr Sonne und im Verhältnis angenehme 20° C, als wir die läppischen 800 Kilometer zurück in die Schweiz unter die abgefahrenen Räder nahmen. Denn im gesamten waren es 4‘021 Kilometer, welche wir so in etwa abspulten. Doch kein Meter war daneben und die Erinnerung wird ewig währen. Die sieben Teilnehmer in ihren vier Sevens, dem Mazda sowie dem Flugzeug und dem Mietauto werden wiederkommen – in 17 Jahren feiern wir dann den 90zigsten Geburtstag von Läppli, welcher dann wieder mit dem Seven kommen wird – promised!

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Folgen Sie uns!
Please reload

Schlagwörter
Please reload

Archiv